Auf ein Wort mit Rainer Schnaitmann

5 Sterne – "Weltklasse" im Eichelmann (2023), 5 Sterne im Fallstaff-Weinguide (2022), 4 Sterne im Vinum Weinguide Deutschland 2022… und und und. Das Weingut Schnaitmann gehört längst zu den Top-Adressen auf Deutschlands Weinkarte, Rainer Schnaitmann zu den besten und spannendsten Winzern des Landes. Im Gespräch mit ZEITWEIN spricht der Fellbacher über die Herausforderungen des Klimawandels für den Weinbau. Was seine Weine mit Musik zu tun haben. Und vieles mehr.

ZEITWEIN: Stichwort Klimakrise: Wie sieht der deutsche Weinbau in zehn Jahren aus? Wie bereitest Du das Weingut auf die neuen Herausforderungen vor?

Rainer Schnaitmann: Die spät reifen Rebsorten wandern den Berg hoch. Gute Lagen mit ausreichender Tiefgründigkeit bleiben gut, andere werden spannender als bisher. Riesling hat sich auch in den heißen Jahren bewährt, Lemberger wird groß werden. Die ökologischen und biodynamischen Arbeitsweisen helfen bei der Reaktion auf sich ändernde Gegebenheiten.

Laubwände werden anders gestaltet, Beschattung spielt eine große Rolle, die Bodenbearbeitung wird noch mehr an die Wassersituation angepasst, es ist ja nicht jedes Jahr heiß und trocken, es gibt auch noch feuchte Jahre (siehe 2021!)

Wir nutzen bereits eine große Photovoltaikanlage und wollen die mit noch mehr Elektrofahrzeugen noch besser ausnutzen…. Alles, was darüber hinausgeht, gleich einem Blick in die Kristallkugel.

ZEITWEIN: Welchen Platz bekommt der Jahrgang 2022 in den Geschichtsbüchern?

Rainer Schnaitmann: Ein guter Jahrgang mit endlich wieder ausreichender Erntemenge, der trotz Hitze keine Alkoholbomben hervorgebracht hat. Die Trockenheit war bei uns Gott sei Dank nicht ganz so krass wie anderswo, deswegen haben wir keine Notreife gesehen. Durch den Regen im Herbst könnte es sogar ein sehr guter Jahrgang sein, aber das ist nicht so einfach zu beurteilen so früh.

ZEITWEIN: Wer oder was hat Dich und die Art, Wein so zu machen, inspiriert?

Rainer Schnaitmann: Mich inspirieren dauernd Kollegen und Weine aus aller Herren Länder. Ein einzelnes großes Vorbild habe ich nicht.

ZEITWEIN: Wenn Deine Weine eine Band oder Musikrichtung wären, dann wären sie...? 

Rainer Schnaitmann: Ich könnte mich nicht festlegen! Auf jeden Fall wäre es nicht: Wagner, aber auch nicht Prokofiev. Manche Weine würde ich der Romantik, v.a. der romantischen Klaviermusik zuordnen: Chopin, Liszt, Schumann mit ihrer kaum unterdrückten Emotion. Dann wäre ich manchmal begeistert von einem Bach-Vergleich, mit dieser Klarheit und fast mathematischen Perfektion, die trotzdem warm und mitreißend ist. Der eine oder andere weiße Reserve-Wein könnte was von Beethoven haben. Bei Thelonious Monk und Bill Evans würde ich gerne mitspielen, wenn ich nur könnte, aber einen Vergleich mit den Bergmandelweinen fände ich cool. Und manch ein Trollinger ist inzwischen fast so frei improvisiert wie ein Konzert von Keith Jarrett.  

ZEITWEIN: Was macht ein guter Wein mit Dir?

Rainer Schnaitmann: Er macht mich wach und inspiriert mich zu allen möglichen Ideen und Taten, macht es mir leichter, an das Gute in allem zu glauben…

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Die Weine

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